Pegnitzer Flindererbier

Region: Oberfranken

Flindererzeit gilt in Pegnitz als 5. Jahreszeit

stumme Karte, Oberfranken blau markiert

Typisch für die „Flindererzeit” ist das süffige Flindererbier, das von den Pegnitzer Brauereien extra für diese Zeit eingebraut wird. Dazu wird traditionell eine deftige, fränkische Brotzeit serviert.

Von April bis Juni beteiligen sich mindestens 10 Gasthäuser am Flinderertreiben. In dieser Zeit wird abwechselnd jeweils eine Woche in den beteiligten Häusern geflindert. Zu hausgemachten, deftig-fränkischen Brotzeiten und warmen Gerichten aus der Küche gibt es dann von den zwei örtlichen Brauereien, der Brauereivereinigung Pegnitz und der Jura-Bräu (ehemals Brauerei Knopf), für Bierliebhaber das eigens dafür gebraute Flindererbier. Damit jeder weiß, wo gerade geflindert wird, hängt die Wirtschaft als Flinderer-Zeichen ein Büschel grüner Zweige mit einigen aufgeblasenen Schweinsblasen an die Tür.

Traditionelles

Es wird abwechselnd wöchentlich in verschiedenen Pegnitzer Gaststätten geflindert. Meistens gibt es schon ab Vormittag zum Flinderer-Bier die typischen “Hausmacher-Brotzeiten” wie Bratwürste, gebraten oder sauer, Blut- und Leberwürste, roten und weißen Presssack und Tellersülze. Auch “Schüpf” (eine in manchen fränkischen Regionen gebräuchliche Bezeichnung für Kesselfleisch), “Rippla”, Krenfleisch und Schweinebraten mit Klößen haben Tradition. Dazu wird Sauerkraut, ein unverzichtbarer Bestandteil fränkischer Küche, serviert.

Linguistisches

Das Wort Flinder geht zurück auf den mittelhochdeutschen Begriff “flinderlin” für “Flinder” und “Flitter”. Als blinkender Flitter wurden z. B. die kleinen blinkenden Blechmünzen an der Frauentracht bezeichnet. In der Übertragung des Begriffs blinken auch die flatternden Bänder und Streifen im Kranz oder Busch, der als Bier- oder Weinzeichen zur Flindererzeit ausgehängt wird. Aus dem bunten Zierrat, mit dem die Wirte auf sich aufmerksam machen wollten, wurde mit der Zeit die Bezeichnung für das Bier und die Veranstaltung abgeleitet.

Geschichtliches

Das Flindern geht in Pegnitz auf eine Übereinkunft aus dem Jahr 1728 zurück. Damals vereinbarten die Brauberechtigten der Neustadt, dass die Berechtigung zum Bierschenken während der warmen Monate von März bis Anfang Oktober von Woche zu Woche zwischen den Instituten, den sog. Flinderern, wechseln sollte. In den Wintermonaten konnte dagegen jeder Berechtigte ungehindert sein Bier ausschenken.

Jeder Hausbrauer, der im Sommer sein Eigenbräu-Bier ausschenken wollte, musste sich am „Flindern“ beteiligen. Dazu musste er sich zunächst um ein Los bewerben. Waren alle Bewerber angemeldet, wurde durch die Verlosung festgelegt, in welcher Reihenfolge der von Woche zu Woche wechselnden Flinderer stattfinden sollte. 1839 wurde dieser Brauch bekräftigt und in den folgenden Jahren sogar noch etwas verschärft. Konnte ein Brauberechtigter sein Los nicht wahrnehmen, durfte er sich auch in Zukunft nicht mehr am Flindern beteiligen.

Über die Gründe dieser Regelungen mag man spekulieren. Vielleicht wollte der Magistrat die Brauer vor zu hoher Arbeitsbelastung in der Zeit schützen, in der eigentlich Gärten und Felder bestellt werden sollten. Vielleicht sollte aber auch grundsätzlich die Menge des gebrauten - und getrunkenen Bieres in Pegnitz eingeschränkt werden. Schließlich spielte es auch eine Rolle, dass das Bier in der warmen Jahreszeit schneller sauer wurde, weshalb man durch den wöchentlichen Wechsel dafür sorgte, dass immer wieder frisch angestochen wurde.

Termin:

Die Flindererzeit dauert von April bis Juni.